Lissabon

Lissabon – Stadt der vielen Gesichter

28.03.2014 | update 6.02.2015 | in Lissabon, Portugal, Stadt | von | Dein Kommentar!

Die sich am Ufer des Flusses Tejo entlang windende Stadt Lissabon, ist für mich die Stadt der Städte in Portugal. Das liegt an der atemberaubenden Architektur und der elektrisierenden Kultur der Stadt aber auch an der Stimmung der Menschen in den Hostels, Restaurants oder abends beim Feiern in Bairro Alto. Lissabon ist sehr abwechslungsreich und bietet auf recht kleinem Raum jede Menge zu sehen.

Die spannende Geschichte Lissabons

Die Hauptstadt Portugals, Lissabon, ist mit ihren ca. 550.000 Einwohnern eigentlich eine recht kleine europäische Hauptstadt. Zum Vergleich: Düsseldorf hat mehr Einwohner. Trotzdem tobt das Leben in Lissabon, dass schon vor etwa 3000 Jahren als eine phönizische Siedlung entstand. Es war aber auch Herrschaftsgebiet der Griechen und Römer, bis schließlich die Mauren ab dem 7. Jahrhundert die Stadt für über 400 Jahre besetzt hielten ehe sie von den Christen Mitte des 12. Jahrhunderts zurückerobert wurde. 1256 wurde Lissabon die Hauptstadt des portugiesischen Reiches. Davor war es Coimbra.

Im 15. und 16. Jahrhundert boomte Lissabon, nachdem der berühmte Vasco da Gama den Seeweg nach Indien entdeckte (1497 bis 1499). Durch den Handel von Gold, Gewürzen und Seide mit Brasilien konnte sich Lissabon bis ins 18. Jahrhundert hinein seinen Wohlstand bewahren bis die Stadt im Jahr 1755 durch mehrere schwere Erdbeben inklusive Tsunami und einem großen Feuer zum Großteil bis auf die Grundmauern zerstört wurde. Danach begann der Wiederaufbau in einem recht simplen aber erdbebensicheren Stil, der heute teilweise das Stadtbild prägt.

Lissabons wichtigste Stadtteile

Die verschiedenen Stadtteile in Lissabon sind sehr unterschiedlich in ihrer Architektur und vom Aufbau her. Jeder Teil wirkt wie eine eigene kleine Stadt. Deshalb ist Lissabon für mich auch die Stadt der vielen Gesichter. Das Zentrum bildet die „Unterstadt“ Baixa mit ihren vielen Einkaufsmöglichkeiten, Geschäften und Plätzen. Östlich davon liegt die Altstadt (Alfama) mit zahlreichen Miradouros und dem Castelo im Zentrum. Die Alfama mit ihren engen, kurvigen Gassen und steilen Anstiegen ist eins der ursprünglichsten Stadtteile, da es das große Erdbeben von 1755 gut überstand. Die Wege verkreuzen sich zu einem regelrechten Labyrinth, in dem man sich auch schnell verlaufen kann. Aber gerade das macht das besondere an Alfama aus. Im Gegensatz dazu steht westlich der Baixa, das auf einem Hügel gelegene Chiado, das beim Erdbeben fast vollständig zerstört und komplett neu aufgebaut wurde. Die Straßen hier wurden eher rechteckig angeordnet und es wirkt alles sehr elegant.

Nördlich von Chiado liegt auf einem weiteren Hügel die „Oberstadt“ Bairro Alto. Hier tobt das Nachtleben. Zahlreiche Bars, Restaurants, Clubs, Pubs und Cafés zieren die Gassen. Wer in Lissabon feiern will, muss nach Bairro Alto. Etwa 6 Kilometer westlich der Baixa liegt Belém, auch ein sehr bekanntes Stadtteil, das man bei einem Besuch Lissabons nicht auslassen darf, aufgrund der zahlreichen Wahrzeichen, die sich hier befinden.

Miradouros (Aussichtspunkte in Lissabon)

Miradouro ist portugiesisch für „toller Blick“. Solche Orte gibt es in Lissabon einige, denn die Stadt liegt auf insgesamt sieben größeren Hügeln. Bei einem Spaziergang lassen sich viele dieser Punkte ansteuern. Man erkennt diese romantischen Stellen an den sich aufgereihten, öffentlichen Ferngläsern. Oftmals gibt es auch kleine Cafés und Gärten in der Nähe. Hier ist eine kleine Auswahl an Miradouros in Lissabon:

Santa Luzia

Von dieser mit Weinreben überdachten Plattform aus, hat man einen super Blick auf den Tejo und die Uferpromenade Lissabons. Im Sommer tummeln sich hier etliche Maler, was natürlich ein eindeutiges Zeichen für die malerische Aussicht an diesem Ort ist.

Lissabon

Graça

Etwas nördlich vom Castelo befindet sich dieser Ausblick auf die Altstadt. Im Hintergrund sieht man die berühmte Brücke „Ponte“. Außerdem gibt es hier ein kleines Kiosk.

Graça Lissabon

Senhora do Monte

Das ist der höchste Aussichtspunkt der Stadt, von dem aus man quasi die ganze Stadt sieht.

Vista da Senhora do Monte

Eine Auflistung mit weiteren Miradouros gibt es auf der Website von golisbon.com.

Bilder von Lissabon

Sehenswertes in Lissabon

Fast alles ist in Lissabon ist zu Fuß zu erreichen. In ein, bis zwei vollen Tagen kann man die meisten Sehenswürdigkeiten mitnehmen. Wer länger bleibt, kann auch die eher unbekannteren Stadtteile erkunden und das Partyleben in der Stadt länger genießen.

Tram 28

Tragen einen die Füße nicht mehr, so sollte man einfach in die Tram 28 einsteigen, die durch viele Stadtteile fährt und dabei an einigen Sehenswürdigkeiten vorbei kommt. Die Fahrt von Martim Moniz bis Campo Ourique dauert etwa 40 Minuten. Die traditionellen, gelben Trambahnen, die sich teilweise durch recht enge Gassen hindurchkämpfen und steile Berge erklimmen müssen und an denen auch mal der ein oder andere Lissaboner außen dran hängt, sind typisch für das Stadtbild Lissabons und selbst zu einer Sehenswürdigkeit geworden.

Mosteiro dos Jerónimos

Dieses imposante Kloster steht im Stadtteil Belém. Das Gebäude wurde von Manuel I. in Auftrag gegeben und zählt als das bedeutendste Gebäude im manuelinischen Stil, der nur in Portugal im frühen 16. Jahrhundert auftrat. Geprägt ist dieser Stil von seinen orientalischen Einflüssen und der aufwendigen Verarbeitung von viel Gold und Edelsteinen. Zu dieser Zeit war Portugal durch die Entdeckung des Seeweges nach Indien und dem Handel mit diesem Land sehr reich. Besonders beeindruckend fand ich den wie ein Pentagon aufgebauten Innenhof des Gebäudes mit den vielen, prunkvoll verzierten Bogenwänden,, Fenstern und Spitztürmen. Im Inneren befinden sich die Sarkophage von Vasco da Gama, Luís de Camões (der portugiesische Nationaldichter) und von etlichen portugiesischen Königen. Außerdem gibt es hier sehr viele schick verzierte und noch gut erhaltene Azulejos. Das Gebäude überstand das große Erdbeben von 1733 ohne größere Schäden und wurde 1983 in die Liste der UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen.

Torre de Belém

Gleich um die Ecke auf dem Fluss Tejo befindet sich diese sehr bekannte Sehenswürdigkeit, die auch zahlreiche Postkarten ziert. Der Torre diente einst als Wachturm, zählt auch zum manuelinischen Stil und wurde genau wie das Mosteiro dos Jerónimos 1983 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

Torre de Belem

Padrão dos Descobrimentos

Ein paar Meter vom Torre des Belém entfernt befindet sich das Entdeckerdenkmal. Es wurde erst 1960 zur Erinnerung an das Entdeckerzeitalter Portugals errichtet. An der Spitze steht Heinrich der Seefahrer (1394 bis 1460). Hinter ihm sind weitere 32 portugiesische Entdecker dieser Zeit in Stein gemeißelt.

Entdeckerdenkmal-Ausschnitt-Lissabon

Im Hintergrund des Denkmals erkennt man die Ponte de 25 Abril mit der Cristo Rei Statue die an eine kleinere Version des Christo Redentor in Rio de Janeiro erinnert.

Entdeckerdenkmal-Lissabon

Praça do Comércio

Der „Platz des Handels“ befindet sich ganz im Süden von Baixa am Ufer des Tejo. Ursprünglich hieß dieser Platz „Terreiro do Paço“ („Palastgelände“), da hier vor dem Erdbeben der Palast stand, der aber vollständig zerstört wurde. Der Arco da Rua Augusta stellt den Eingang zum nach dem Erdbeben 1755 neu erbauten Stadtteil. Die sehr belebte Rua Augusta ist die zentrale Einkaufsstraße des Stadtteils, für Autos gesperrt und deshalb immer voller Menschen.

Rua Augusta

Elevador de Santa Justa

Um von der Unterstadt (Baixa) in die Oberstadt (Chiado und Bairro Alto) zu gelangen, wurde im Jahre 1902 dieser markante Personenaufzug mitten in der Innenstadt errichtet. Die Stahlkonstruktion ist 42 Meter hoch und wirkt ehrlich gesagt etwas fehl am Platz, aber wahrscheinlich gerade deshalb auch ein Besuchermagnet. Teilweise erinnert der Lift an den Eifelturm, was sicherlich daran liegt, dass der Erbauer Raoul Mesnier de Ponsard ein Schüler von Gustav Eifel war.

Elevador de Santa Justa Lissabon

Castelo de São Jorge

Im Herzen des Stadtteils Alafama thront das Castelo de São Jorge empor. Um hier hin zu gelangen, muss man zunächst einmal durch das alte Lissabon hindurch laufen. Oben angekommen, hat man einen super Ausblick über die Stadt. Diese Festungsanlage stammt aus dem 2. Jahrhundert v.Chr., war aber schon hunderte von Jahren davor besiedelt. Zu einer Burg wurde die auf dem höchsten Hügel Lissabons gelegene Anlage im 11. Jahrhundert von den Mauren umfunktioniert. Heute gibt es innerhalb der Burgmauern ein Museum und ein 360°-Panorama-Blick von Lissabon in Echtzeit durch ein Periskop zu entdecken.
Lissabon 2010 - Castelo de Sao Jorge

Sé Patriarcal

Dieses Gebäude ist die Hauptkirche und auch die älteste Kirche der Stadt Lissabon. Sie wurde 1147 erbaut. Davor, zu Zeiten der Maurenbesetzung, gab es an diesem Ort eine Moschee.

Es gibt noch etliche weitere Sehenswürdigkeiten, wie die Cristo Rei Statue, das Aqueduto das Águas Livres, der Praça de Dom Pedro IV (Rossio) oder die Stierkampfarena Campo Pequeno, um nur ein paar zu nennen. Wer mehr über Lissabon erfahren will, dem lege ich den Lonely Planet über diese tolle Stadt nahe.
Taschenbuch: 160 Seiten
Verlag: Lonely Planet; Auflage: 2nd edition. (1. Oktober 2012)
Sprache: Englisch

Lissabons Nachtleben

Das Nachtleben in Lissabon findet hauptsächlich in Bairro Alto statt und ist nicht zu vergleichen mit Städten in Deutschland. Überall in den Clubs und Bars ertönt laute Musik. Doch so gut wie keiner ist drin. Alle stehen draußen und reden, tanzen und feiern. Drinnen holt man sich meistens nur die Getränke ab. Musiktechnisch wird eigentlich alles gespielt. Auch gibt es oft Livebands. Meistens wird auch irgendwo eine moderne Version des Fado gespielt, der typisch portugiesischen Gitarrenmusik. Im Juni findet in Lissabon das Fado-Festival statt, bei dem viele Fadista in der Gegend des Castelo de São Jorge auftreten.

Auffällig am Nachtleben ist, dass es erst sehr spät los geht. Ab um 11 versammeln sich die ersten Leute auf den Straßen. Vorher braucht man gar nicht loszugehen. Ab etwa 1:00 Uhr bis 2:00 Uhr geht dann aber erst richtig die Post ab. Gefeiert wird in der Regel bis in die frühen Morgenstunden, bis es wieder hell wird.

Pastéis de Belem

Im Stadtteil Belém in Lissabon gibt es die leckeren Pastéis de Belem, auch Pastéis de Nata genannt, einem kleinen Törtchen-Gebäck aus Eierteig. Seinen Ursprung hat diese süße Köstlichkeit wohl von den Mönchen des Klosters dos Jerónimos, die es im 18. Jahrhundert dort erfanden. Überall im ganzen Stadtteil gibt es spezielle Cafés und Bäckereien, in denen man sehen kann wie die Pastéis de Belem hergestellt werden. Natürlich kann man auch welche kaufen und essen. Das Rezept ist allerdings nicht wirklich geheim und kann auch zu Hause leicht nachgemacht werden.

Pastéis de Belem

Karte von Lissabon


Karte im Vollbild

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