Seoul

Seoul im Winter – Koreanischer Schmelztigel aus Tradition und Moderne

Seoul ist die Hauptstadt Süd-Koreas und die Adjektive “riesig”, “unüberschaubar” und “opulent” beschreiben die Millionen-Metropole recht gut. Etwa elf Millionen Menschen wohnen im Einzugsgebiet Seoul (auf 605 km²). Zum Vergleich: Das sind etwa so viele wie im Bundesland Baden-Württemberg (35.751,46 km²). Bei diesen Zahlen kann man sich in etwa vorstellen, wie dicht gedrängt die Menschen hier zusammen leben. Es gibt nur wenige Städte auf der Welt, die da mithalten können.

Seoul bietet einen fantastischen Kontrast zwischen Alt und Neu, zwischen Tradition und Moderne. Die ganze Gesellschaft ist von diesen Gegensätzen geprägt. Eben noch steht man vor riesigen, auf einen herunterblickenden Wolkenkratzern, vor denen man nur wie ein winziger Punkt im großen Geflecht der Stadt wirkt, und versucht nicht überfahren zu werden – Und im nächsten Moment windet man sich durch verschlungene Seitenstraßen, vorbei an buddhistischen Tempeln und altmodischen, dampfenden Geschäften in denen rohe Schweinshaxen verkauft werden um letztendlich in einem Wirrwar aus Schildern zu landen, deren Zeichen man nur wie ein Erstklässler lesen kann.

Schilderwirrwar Seoul

Eigentlich ist Seoul auch, trotz seiner Größe, eine recht grüne Stadt. Es gibt Parks, Wälder und Flüsse. Im Winter sieht man davon jedoch nicht allzu viel. Zu dieser Jahreszeit kommt das Urbane, das Dampfende und auch das Dreckige an Seoul zum Vorschein. Doch auch das hat seinen Reiz, wie ich feststellen durfte.

Impressionen von Seoul

Kulturschock inklusive

Wer vorher noch nie in einem hoch entwickelten asiatischen Land wie Korea war, wird um einen Kulturschock nicht herum kommen. Ein “westliches” Gesicht sieht man hier nur ganz selten einmal. Man hat das Gefühl von allen etwas seltsam angeschaut zu werden. Dabei sind die Leute vielleicht einfach nur neugierig. Ich wurde sogar einmal auf der Straße angesprochen und gefragt ob ich Brad Pitt bin. Das schmeichelte mir natürlich. Aber ich bin realistisch genug um zu wissen, dass wir Westler für Asiaten alle gleich aussehen ;) Es ist zudem eher eine Seltenheit, dass man in Seoul angesprochen wird. Denn Koreaner sind ein sehr zurückhaltendes Volk. Es dauert etwas, bis man mit ihnen warm wird und bis sie einen ins Herz schließen.

Die Tempel von Seoul

Besonders architektonisch beeinflusst wurde Seoul von der Joseon Dynastie die von 1392 bis 1910 andauerte. Es gibt viele Paläste, Tempel, Schreine und Gräber, die von dieser Herrscher-Familie stammen. Daneben bestehen aber auch religiöse Gebäude aus dem Buddhismus und Christentum.

Gyeongbokgung

Der “Palast der strahlenden Glückseligkeit” wurde zu Beginn der Joseon-Dynastie im 14 Jahrhundert erbaut und ist der größte in ganz Seoul. 1592 brannte der Palast nieder und wurde erst 300 Jahre später wieder neu aufgebaut, was allerdings die Regierung zum Bankrott führte, weil die Arbeiten zu teuer waren. Gyeongbokgung ist eigentlich eine ganze Palastanlage mit vielen verschiedenen Gebäuden und Pagoden, insgesamt waren es zu Hochzeiten 330 Stück mit Platz für 3000 Hofangestellte. Das Hauptgebäude heißt Geunjeongjeon. Darin befindet sich auch der nachgebaute Thron. In einem künstlichen See befindet sich Gyeonghoeru, ein auf Stein-Säulen stehender Pavillon. Am Haupttor laufen Wachen im traditionellen Gewandt hin und her. Regelmäßig kann man auch das zeremonielle Wechseln der Wachposten beobachten. An den Dächern der einzelnen Gebäude sieht man oft kleine Statuen in Form von Drachenköpfen oder ähnlichem. Je mehr solcher Figuren sich darauf befinden, desto wichtiger waren dieses Gebäude. Am Palast gibt es kostenlose, geführte Touren, aber nur zu bestimmten Zeiten, und auch Audioguides.

Changdeokgung

Der “Pallast der glänzenden Tugend” liegt etwas weiter südlich und kann nur mit einer geführten Tour besucht werden. Von April bis November geht es aber auch auf eigene Faust. Er diente ursprünglich als Zweitpalast zum Gyeongbokgung und sieht diesem auch recht ähnlich aus. Ein Highlight ist hier der versteckte Garten Biwon mit seinen kleinen Seen und Pavillons.

Jongmyo

Das Welterbe Jongmyo mit seinem Hauptschrein Jeongjeon wurde 1395 erbaut. Dieses recht lange Gebäude mit den roten Säulen und Toren ist laut UNESCO der älteste noch erhaltene konfuzianische Schrein der Welt. Jongmyo kann man sich zusammen mit englisch-sprechenden Guides, die einem alle Informationen über die Geschichte der Anlagen geben, anschauen.

Jogyesa Tempel

Dieser Tempel ist der Hauptsitz der Jogye Sekte, zu der 90 Prozent der koreanischen Buddhisten zählen. Auf der Tempelanlage sieht man Mönche umherlaufen und Menschen die Opfergaben bringen. Das Hauptgebäude darf man ohne Probleme betreten und auch von innen fotografieren. In der Mitte der Halle befinden sich 3 beeindruckende Buddha-Statuen. Die Menschen kommen hier zum Beten hinein. Wie überall in Korea, wenn man irgendwo hinein geht, muss man dabei aber vorher seine Schuhe ausziehen.

Cheongwadae

Cheongwadae, das blaue Haus, ist der Sitz der Regierung und somit so etwas wie die Antwort auf das weiße Haus in Washington. In den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts schafften es ein paar Auftragskiller aus Nordkorea bis vor die Tore dieses Gebäudes. Ihr Auftrag war die Ermordung des damaligen Präsidenten. Jedoch konnte das vereitelt werden. Alle Killer, bis auf einen, wurden getötet. Seitdem wurden die Sicherheitsvorkehrungen in ganz Seoul und Umgebung noch einmal stark angehoben. So sieht man z.B. außerhalb Seouls oft meterhohe Zäune entlang von Flüssen.

Das sind nur ein paar der bekanntesten historischen Gebäude Seouls. Es gibt noch etliche mehr. Diese hier alle aufzuzählen, würde aber den Rahmen dieses Artikels bei weitem sprengen.

Seouls’ Märkte

Überall dampft es, es ist bunt und riecht nach unidentifizierten Nahrungsmitteln. Eine ältere koreanische Frau spricht mich an. Wahrscheinlich will Sie mir Ihre Schweinshaxen verkaufen. Überall darf man anfassen und kosten. Dinge die ich nicht kenne, und die ich ungern in meinen Mund nehmen möchte. Ich probiere trotzdem alles. An einer anderen Ecke schläft eine alte Frau, nach vorn gelehnt, in ihrem Stuhl. Sie hat wohl keine Angst, dass ihre Fische geklaut werden. Und immer wieder diese Schilder, die ich nicht verstehe.

Ganz besonders fasziniert hat mich das rege Treiben auf Seouls zahlreichen Märkten, die teilweise eigene kleine Stadtviertel sind. Dabei gibt es alles: Fischmärkte, Textilmärkte, Essens-Märkte, Schuhmärkte, große Malls und Märkte mit allem gemischt.

Dongdaemun-Markt

Der Dongdaemun-Markt ist der größte in ganz Süd-Korea und zieht sich über 10 Straßenblöcke. Man bekommt hier im Prinzip alles. Von Textilien über Möbel bis hin zu Haustieren. Über die Qualität der angebotenen Schnäppchen kann man sicherlich streiten. Ich habe jedenfalls nichts gekauft außer Essen. Die Verkäufer sind aber sehr freundlich, teilweise auch nervig, und allein der Atmosphäre wegen lohnt sich ein Besuch. Außerdem haben viele der sich hier befindenden Malls auch die ganze Nacht über geöffnet, weshalb das Night-Shopping sehr beliebt ist.

Namdaemun Markt

Ein weiterer riesiger Markt, in dessen einzelnen Teilen man sich locker immer wieder verlaufen kann, ist der Namdaemun Markt. Er befindet sich recht zentral im Stadtteil Myeng-Dong

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