Kakadu Nationalpark

Mein schlimmster Tag im größten Nationalpark Australiens

25.07.2014 | update 22.01.2015 | in Australien, Northern Territory | von | 7 Kommentaren

Mit 80 km/h über den Schotterweg. Die Stoßdämpfer rattern. Der Wind weht durchs offene Fenster und sorgt für Abkühlung. Die Campingnacht gestern war ungemütlich. Irgendjemand hatte ein Buschfeuer gelegt im KakUadu National Park. Es roch überall nach verbranntem Gras, es war einfach zu heiß und die Angst neben einem Krokodil aufzuwachen blieb auch nicht unbegründet.

Kakadu Nationalpark
Suchbild: Nicht gerade ungefährlich am Fluss zu zelten.

Die Affenbrotbäume am Straßenrand rauschen vorbei. Die Sonne kriecht langsam hinterm Horizont hervor. Ich bin noch müde und kann mich schlecht konzentrieren.

Am Straßenrand auf der Geraden vor mir kriecht etwas aus dem Gebüsch. Ist es ein Känguru? Ist es ein Dingo? Ist es ein… BÄÄMM. WTF. Was war das? Bestimmt nur ein Stein. Egal. Keine Zeit darüber nachzudenken. Da hinten kommt schon wieder die nächste Kurve in die ich hinein driften muss…

So begann einer der schlimmsten Tage für mich in Australien, der sich allerdings noch zu einem guten entwickeln sollte. Doch dazu später mehr.

Der Kakadu Nationalpark

Bereits am Tag vorher erreichte ich mit einer kleinen Reisegruppe den Kakadu Nationalpark. Wir reisten mit zwei Autos und waren eine gute Mischung aus verschiedenen Nationen.

Der Kakadu ist nicht nur der größte Nationalpark des Northern Territory, sondern mit seinen 20.000 km² (was in etwa der Hälfte der Schweiz entspricht) auch der größte ganz Australiens. Deswegen bietet der Park auch eine enorme Vielfalt an Flora und Fauna. Das Landschaftsbild reicht von riesigen Wäldern, über mit Wasserfällen durchzogene Schluchten, bis hin zu weiten Feuchtgebieten.

Es gibt hier über 280 Vogelarten, über 60 Säugetierarten, über 50 Frischwasserfischarten und über 10.000 Insektenarten, und natürlich auch jede Menge Krokodile, sowohl Süßwasser- als auch Salzwasserkrokodile. Etwa 10.000 sind es. Deshalb wurden auch überall im Park Warnschilder aufgestellt.

Kakadu Nationalpark
Bizarr. Auf diesem Kinderspielplatz gibt’s Krokodile.

Besonders lohnenswert ist ein Besuch des Parks aber auch wegen seiner Kultur. Denn bereits vor 50.000 Jahren besiedelten den Kakadu Nationalpark wohl bereits die ersten Menschen. Die zahlreichen Höhlenmalereien, die die Aborigines damals hinterließen, sind bis zu 20.000 Jahre alt. Bisher wurden etwa 5.000 davon an Felsen und Höhleneingängen entdeckt. Die Aborigine-Kultur ist die älteste, noch existierende Kultur auf der Erde.

Kakadu Nationalpark
Aborigine-Malerei auf Felswand.

Besonders an der Kunstfundstelle Ubirr kannst du neben dem absolut genialen Ausblick auf das Umland, viele der uralten Kunstwerke bewundern. Abgebildet wurden Jagdszenen, heilige Geister und Tiere.

Kakadu Nationalpark
Ausblick von einer Höhle in Ubirr.

Nicht verwunderlich also, dass der Park sowohl in die Liste der UNESCO-Weltnaturerben als auch der -Weltkulturerben aufgenommen wurde. Übrigens: Der Film Crocodile Dundee (Wer kennt den nicht?!) wurde zu einem Teil im Kakadu Nationalpark gedreht.

Mein bisher schlimmster Tag in Australien

Leider war Ubirr eine der wenigen Stellen im Nationalpark, die ich bereisen konnte. Denn da ist ja noch die Geschichte mit dem schlimmsten Tag, die jetzt weiter geht:

…Doch was seh ich da plötzlich am Straßenrand? Ein Auto liegt im Straßengraben. „Komischer Platz zum Parken“, denke ich mir, „mitten im Nationalpark“. Doch dann wird mir klar. Es ist der Mitsubishi meines Reisebegleiters.

Kakadu Nationalpark
Auf Schotterpisten sollte man immer etwas langsamer fahren.

Ich drücke meinen Fuß mit voller Wucht in die Bremse, halte an und renne sofort zum Auto. „Puh, nichts passiert!“ Beide Insassen steigen unversehrt aus dem Auto. Sie haben keine Schramme, was man von dem Baum vor ihnen nicht behaupten kann. Und erst recht nicht vom Auto.

Zum Glück sind gerade ein paar Park-Ranger in der Gegend. Sie versuchen alles, um das Auto wieder auf die Straße zu bekommen, aber die Achse ist wohl gebrochen. Uns allen wird sofort klar, dass das das frühe Ende des Kakadu-Trips ist. Der Tag ist im Eimer. Vielleicht sogar die ganze Woche. „Wie sollen wir alle von hier wegkommen? Und Wohin? Wie geht’s jetzt weiter?“, fragen sich alle in Gedanken versunken.

Greg saves the day

Dann aber kommt Greg. Ein Park-Ranger mit Aborigine-Abstammung, dessen Familie bereits seit über 30 Jahren als Ranger im Kakadu arbeitet. „Don’t worry“, sagt er uns, als wir noch unter Schock stehen. Es gibt hier wohl öfters Unfälle mit schlecht ausgestatteten Autos und wir haben noch Glück gehabt, dass nichts weiter passiert ist. Für uns ist der Kakadu zum „Kaka Don’t“ geworden, meint Greg. Und wir haben so viel verpasst.

Doch Greg bietet uns an, uns alle mit seinem Jeep im Nationalpark herumzufahren, damit wir runterkommen können. Natürlich nehmen wir dieses Angebot an.

Wir fahren anschließend zu einem Wasserfall, der so versteckt ist, dass ganz selten Touristen herkommen, und nehmen ein kühles Bad. Anschließend fahren wir noch zu einer weiteren versteckten Wasserquelle.

Abends fahren wir mit Greg zum Roadhaus an dem er lebt. Er läd uns ein, in seinem Garten zu zelten, kostenlos. Auch das Angebot nehmen wir an.

Zelten bei Craig
Im Zelt wird’s schon mal gemütlich.

Für den Rest des Abends haben wir als Dankeschön Bier gekauft. Jede Menge. Greg freut sich und wir sitzen bis in die frühen Morgenstunden zusammen, trinken Bier, reden und lauschen zu der Musik der beiden CD’s die Greg besitzt: Best of Brian Adams und Best of Bob Marley.

craig
Ganz rechts: Parkranger Greg.

Am nächsten Tag fährt uns Greg sogar bis in den nächsten größeren Ort nach Katherine. Er besucht dort seine Frau. Wir müssen uns hier leider wieder alle trennen. Doch die Reise geht weiter. Allerdings nur noch mit meinem Auto. Das andere wird wohl für immer im Kakadu-Nationalpark bleiben.

Bilder vom Kakadu Nationalpark

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7 Antworten auf Mein schlimmster Tag im größten Nationalpark Australiens

  1. So wird ein vermeindlicher „horror-tag“ auch schnell mal zu einem vollen Erlebnis!

  2. Carmen Kästner sagt:

    Gastfreundschaft lernt man am ehesten durch die Erfahrung, selbst Gast zu sein.

  3. Tante H. aus L. sagt:

    Am Anfang dachte ich, bestimmt wird er vom Krokodil angegriffen………nun überlege ich noch, was aufregender ist……..??????? Sicher ist aber auf jeden Fall: Ich bin froh, dass dir nichts passiert ist und natürlich auch nicht deinen Begleitern. Pass bitte weiterhin gut auf dich auf. Liebe Grüße

  4. […] Was im Kakadu geschah, kannst du hier nachlesen: Mein schlimmster Tag im größten Nationalpark Australiens […]

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