Buddha beobachtet Hund in Bago Myanmar

Typisch Myanmar – Darum ist dieses Land so besonders

25.03.2016 | update 26.05.2016 | in Myanmar | von | Dein Kommentar!

Myanmar (auch Birma oder Burma genannt) ist ein ganz besonderes Land im Südosten Asiens. Ich war schon in einigen Ländern hier unterwegs und obwohl jedes seine kleinen Eigenheiten hat, sticht für mich Myanmar besonders heraus. Warum ich das denke und was so typisch an Myanmar ist, verrate Ich dir in diesem Artikel.

1. Chinlone: Ein besonderer Nationalsport

Die beliebteste Sportart in Myanmar ist Fußball. Unter der brittischen Kolonialherrschaft wurde es einst vom schottischen Journalisten James George Scott eingeführt. Mittlerweile verfolgen die Einheimischen überall im Land die verschiedenen europäischen Fußballligen mit großer Leidenschaft, auch die Bundesliga. Man kennt die Spieler aus Europa. Besonders beliebt aus Deutschland ist Thomas Müller vom FC Bayern. Zumindest kannte ihn jeder Burmese, mit dem ich mich über Fußball unterhielt.

Jugendliche in Kalaw spielen Chinlone

Jugendliche spielen Chinlone in Kalaw

Die eigentliche Nationalsportart ist aber nicht Fußball, sondern das traditionelle Chinlone, auch bekannt als Caneball. Chinlone wurde vor mehreren hundert Jahren erfunden und ist damit wesentlich älter als Fußball.

Dabei kicken meist 5 bis 6 Spieler einen aus der Rattan-Palme gewobenen Ball hin- und her. Sie spielen nicht gegeneinander im Wettkampf, sondern versuchen den Ball so lange wie möglich oben zu halten und dabei möglichst kuriose, schön anzuschauende Tricks zu vollführen. Das ist teilweise so gut, dass es aussieht als ob die Spieler eine einstudierte Choreografie tanzen.

Chinlone ist in Myanmar so beliebt, dass es wirklich an jeder Ecke gespielt wird. Es gibt sogar Shows, bei denen das Publikum mehreren Teams beim zaubern zuschaut.

Wie professionell manche Burmesen diesen Sport betreiben, kannst du in folgendem Video sehen:

2. Das vielleicht seltsamste Verkehrssystem der Welt.

Es gibt Länder in denen die Autos auf der rechten Seite der Straße fahren und Länder in denen sie links fahren. In Myanmar aber gibt es eine kleine Besonderheit. Denn obwohl hier wie in Deutschland Rechtsverkehr herrscht, befinden sich die Lenkräder der meisten Autos auf der rechten Seite. Warum? Weil sich viele nur günstige Autos aus Japan (dort herrscht Linksverkehr) leisten können und diese deshalb in Massen importiert werden.

Straße in Yangon

Straßen in Yangon sind eigentlich grundsätzlich mit Autos überfüllt.

Übrigens: In der größten Stadt Yangon sind im Gegensatz zum Rest des Landes keine Motorräder auf den Straßen erlaubt. Dieses vom Staat aus unbekannten Gründen erlasssene Gesetz führt allerdings zu dem Problem, dass es hier Staus ohne Ende gibt. Burmesen, die trotzdem beim Motorrad fahren in Verbotszonen erwischt werden, kann dieses weggenommen werden.

3. Des Autofahrers bester Freund

Die Hupe ist eines der wichtigsten Dinge beim Fahren mit dem Auto in Myanmar. Während der nervige Signalton in Deutschland meist nur benutzt wird, um sich zu beschweren, bedeutet er in Myanmar in etwa so viel wie „Platz da, hier komme ich“ und wird oft bei waghalsigen Überholmanövern in Kurven oder beim Abbiegen in den vor Autos überquellenden Städten verwendet.

4. Thanaka – die weiß-gelben Gesichter der Burmesen

Junge mit Thanaka im Gesicht

Photo credit: KX Studio via Visual Hunt / CC BY

Was mir als erstes in Myanmar auffiel, waren die weiß-gelben Muster in den Gesichtern der Einheimischen. Hauptsächlich Frauen, aber auch Kinder und Männer benutzen eine Art Creme, die sie aus dem Thanaka-Baum gewinnen. Dafür wird ein Stück Thanaka-Holz auf einer Steinplatte abgerieben und mit Wasser vermengt. Die Creme wird ganz unterschiedlich aufgetragen: entweder über das ganze Gesicht, nur auf die Wangen oder in verspielten Verzierungen auf Wangen und Stirn.

Thanaka ist sowohl Schmuck als auch ein kosmetisches Produkt. Es dient als Sonnenschutz und hat auch einen positiven Effekt auf die Haut. Es klingt wie Werbung aus einem Nivea-Spot, aber burmesische Frauen haben wirklich eine makellose Gesichtshaut.

5. Das Land der tausend Pagoden

Myanmar ist auch als „das Land der 1.000 Pagoden“ bekannt. Das ist jedoch die größte Untertreibung, die ich je in meinem Leben gehört habe. Allein in Bagan, der alten Königsstadt, gibt es mehr als 2.000 davon.

Myanmar Land der 1000 Pagoden Shwedagon

Die Shwedagon-Pagode: goldglänzend in der Sonne.

„Das Land der goldenen Pagoden“ passt da schon eher, denn viele Pagoden sind tatsächlich mit jeder Menge echtem Gold beschichtet und verziert. Die bekannteste ihrer Art in Myanmar ist die Shwedagon-Pagode in der größten Stadt des Landes – Yangon. Die Spitze des zentralen Stupas soll mit mehreren zehntausend Diamanten besetzt sein und es sollen mehrere tausend Glocken aus reinem Gold daran hängen. WOW.

Wesentlich greifbarer während meiner Reise durch Myanmar waren für mich aber die goldenen Sonnenaufgänge über den vielen Tempeln und Pagoden, was folgendes Video von Bagan eindrucksvoll beweist:

6. Die Backen voll

Warum gibt es eigentlich so viele rote Flecken auf Myanmars Straßen? Grund dafür ist die Betel-Pflanze, die hier sehr beliebt ist. Oder genauer: der Betelpfeffer.

Betel ist quasi die burmesische Alternative zum Kautabak. Das Kauen der Blätter hat einen stimulierenden Effekt und versetzt den Kauer in einen Zustand des Wohlbefindens.

Überall im Land gibt es Betel-Stände, an denen Blätter mit flüssigem Kalk bestrichen sowie mit Betelnuss belegt und anschließend verkauft werden. Oft kommen dazu auch noch weitere Ingredienzien, wie getrocknete Mango, Kokosnuss oder Tabak – je nach Wunsch des Käufers.

Betel-Blätter mit Betel-Nuss belegt

Ein pfeffriges Kauvergnügen: Blätter des Betelpfeffers werden hier verkauft.

Diese ganzen Zutaten werden dann im Betel-Blatt zusammen gefaltet und zwischen Gaumen und Wange platziert. Das Kauen dauert von wenige Minuten bis zu mehreren Stunden und regt die Speichelproduktion stark an, was die Ursache für die vielen roten Spuckflecken ist.

Viel ekliger ist der Effekt der Pflanze aber auf die Zähne der Burmesen. Diese verfärben sich durch das häufige, jahrelange Kauen nämlich rot, was auf den ersten Blick so aussieht als ob die Konsumenten im Mund bluten.

7. Liebe in der Öffentlichkeit

Was das Zeigen von Zuneigung in der Öffentlichkeit angeht, ist Myanmar recht konservativ. Öffentliches Händchenhalten und Küssen ist nicht üblich. Doch vor allem in den Städten wie Yangon sieht man immer öfter junge Paare an romantischen Orten, wie einem See oder Park, kuscheln und Händchen halten.

Es gibt keine Zwangs-Ehen in Myanmar, aber die Eltern versuchen schon Ihre Kinder mit den Kindern befreundeter oder einflussreicher Familien zu verkuppeln – vor allem in den eher ländlichen Regionen. Letztendlich kann aber jeder selbst entscheiden, wen er heiratet oder nicht.

Etwas skurril: tief sitzende Dekolletés werden im burmesischen Fernsehen verpixelt.

8. Kind-Eltern Beziehung

Familie ist in Myanmar sehr wichtig. Die Beziehung zwischen Kind und Eltern ist ganz anders als z.B. in Europa. Die Kinder sind im Prinzip von klein auf bei allem dabei, was die Eltern machen. Abgesehen von einigen christlich geprägten Orten gibt es in Myanmar keine offiziellen Kindergärten.

Familie vor Buddha-Statue in Bago Myanmar

Die Kleinen sind immer mit dabei.

Kinder werden hier noch als Altersversorgung für die Zukunft angesehen, weswegen die Erwachsenen sehr verständnisvoll und sorgsam mit Ihnen umgehen. Das merkt man an kleinen Dingen: Einmal hielt beispielsweise der Bus einfach mal auf dem Highway an, weil ein Kind auf die Toilette musste – in einem von akkuraten Zeitplänen geregelten Land wie Deutschland unvorstellbar.

9. Glückliche Gesichter

Lachende Kinder am Ayarwaddy Fluss in Mandalay

Zum Glücklich sein brauchen Burmesen nicht viel Besitz.

Manche Burmesen leben wirklich in unzumutbaren Gegenden – Orte, die wir hierzulande als Müllhalden bezeichnen würden. Doch egal wo, ob auf dreckigen Plastik-Bergen, in Dörfern mit simplen Holzhütten, oder in überfüllten, stinkenden Städten: überall waren die Menschen geradezu ansteckend freundlich. Fast immer wurde ich staunend angeschaut und bekam auf ein einfaches Kopfnicken oder ein unschuldiges Lächeln mit Augenzwinkern ein Gleiches zurück – selbst dort, wo man schon an Touristen gewöhnt ist.

Außerdem sind Burmesen auch sehr ehrlich. Einmal war ich auf dem belebten Jademarkt in Mandalay unterwegs und mir hingen ein paar Geldscheine aus der Hose – leichte Beute für einen mäßig talentierten Taschendieb. Doch geklaut wurde nichts. Nach etwa einer halben Stunde klopfte mir ein Einheimischer auf die Schulter und wies mich mit einem freundlichen Lächeln auf meine Hosentasche hin.

Schon von Anfang an hatte ich ein gutes, sicheres Gefühl in Myanmar – ein Gefühl, dass ich hier willkommen bin, aber ganz ohne Aufdringlichkeit. Das ist viel Wert auf einer Reise in einem fremden Land. Mir machte es nicht einmal was aus, dass ich zwei Wochen lang ohne meinen Rucksack (der war irgendwo in China zurückgeblieben) herum reisen musste. Meine einzige negative Erfahrung: XXL-Unterhosen in Asien gehen in Europa höchstens als S durch. Doch von der Geschichte erzähle ich dir ein anderes Mal.

10. Das buddhistischste Land der Welt

In Myanmar sind etwa 90% (!!!) der Bevölkerung Buddhisten. Das, und die große Anzahl an buddhistischen Mönchen (zwischen 100.000 und 500.000 nach verschiedenen Schätzungen), machen Myanmar zum buddhistischsten Land auf unserem Planeten. Einmal im Leben muss jeder Burmese für eine gewisse Zeit ein buddhistisches Kloster besuchen, meist im jungen Alter. Danach kann er selbst entscheiden, ob er Mönch werden will oder nicht.

Mönche in Mandalay in Myanmar in einer buddhistischen Schule

Buddhismus: Auch Mönche müssen lernen.

Vor allem arme Familien schicken schon Ihre kleinen Kinder ins Kloster, weil sie hier eine gute Bildung erwartet. Ins Kloster gehen und Mönch werden kann man aber zu jedem Zeitpunkt seines Lebens.

Das Dasein als Mönch ist allerdings kein Einfaches. Klöster leben fast ausschließlich von Spenden. Nahrung dürfen Mönche nur vor 12:00 Uhr einnehmen und zudem müssen sie für den Rest Ihres Lebens enthaltsam sein.

Die drei wichtigsten Pilgerstätten für Buddhisten in Myanmar sind: 

  • Die Shwedagon-Pagode in Yangon,
  • die goldene Buddha-Statue im Mahamuni Buddha Tempel in Mandalay
  • und der goldene Felsen auf einem Berg im Städtchen Kyaiktiyo.

11. Männer, die Röcke tragen

Drei Männer mit Longyi

Drei Burmesen mit Longyis: Sieht unbequemer aus, als es ist.

Jedes Land hat seine typische, traditionelle Kleidung. Holland hat die Holzschuhe, Schottland hat den Kilt und Myanmar hat den Longyi.

Dabei handelt es sich um einen traditionellen Wickelrock, den sowohl Frauen, als auch Männer tragen. Der Unterschied dabei sind die Wickeltechniken der etwa zwei Meter langen Stoffbahn.

Die Farbe und das Muster des Longyis stehen für die verschiedenen Regionen im Land. Besonders wertvoll sind Longyi-Stoffe aus dem westlichen Rakhine-Staat.

12. Hunde, die Schuhe klauen

Hunde in Yangon

Suchbild: Wo ist der Hund?

Besonders auffällig auf den Straßen – sowohl auf dem Land als auch in den Städten – sind die vielen herum streunenden, stets nach Nahrung suchenden Hunde. Sehr beliebt bei den Einheimischen sind diese aber nicht. Es kann schon mal vorkommen, dass ein Hund mit dem geklauten Fisch im Maul, verfolgt von einem geworfenen Pantoffel des wütenden Fischbesitzers, blitzartig über eine Straße huscht.

Apropos Pantoffeln: Kurios ist auch, dass diese Hunde wohl gerne mal den ein oder anderen Schuh klauen, wenn das mit dem Fisch nicht klappt – als Alternative quasi. In vielen Hotels und Hostels warnen Schilder davor sein Schuhwerk vor der Tür stehen zu lassen und auch die Einheimischen verfrachten Ihre Schuhe über Nacht nie auf dem Fußboden.

13. Myanmar: Der Vielvölkerstaat

Pa'O Volksstamm Kalaw Myanmar

Zwei Burmesen des Stammes der Pa’O, die siebtgrößte Ethnie in Myanmar, packen Chili ein, in der Nähe von Kalaw. Die Frauen der Pa’O in dieser Region erkennt man an ihren orangefarbenen Turbanen.

Myanmar ist keineswegs ein perfekt gefestigter Nationalstaat. Es gibt insgesamt 135 verschiedene Volksgruppen im Land, die alle Ihre eigene Sprache sprechen und teilweise sogar noch ihre eigene Armee haben. Aber die meisten dieser Gruppen erkennen Myanmar als Ihr Land an. Ausnahmen bestätigen jedoch die Regeln. So liefern sich z.B. im nördlich gelegenen Kachin-Staat immer noch Rebellengruppen blutige Gefechte mit der Volksarmee.

Eine der größten Ethnien sind die Birmanen/Burmesen (etwa 70% der Bevölkerung). Daher kommt auch der Landesname Burma (der eigentlich die gleiche Bedeutung wie Myanmar hat). Bei vielen Einheimischen ist das Wort Burma aber eher weniger beliebt, weil es noch für die britische Kolonialherrschaft steht.

Die eigenen Traditionen und Gebräuche, die jede der Volksgruppen in den verschiedenen Regionen hat, macht eine Reise durch das Land so vielfältig und spannend. Überall gibt es neue Eigenheiten zu entdecken. Besonders bekannt, aber durch windige Geschäftsleute auch stark ausgenutzt, sind die „Giraffenhals-Frauen“ der Padaung – mit ihrem extrem langen Halsschmuck – die in den Bergen des Kayah-Staates leben.

Genauso vielfältig wie die Volksgruppen an sich sind, ist auch deren Abstammung. Manche haben Ihre Wurzeln im Tibetisch-chinesischen, andere haben eine mongolische Abstammung. Wieder andere entsprangen der Kultur der Mon und Khmer und im Westen des Landes haben viele Ethnien auch einen indischen Ursprung.

Die ersten Europäer in Myanmar waren übrigens nicht etwa die Engländer oder Franzosen, sondern die Portugiesen. Bereits 1519 wurden die ersten portugiesischen Handelshäuser errichtet.

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