Panmunjeom

Panmunjeom – Das Friedensdorf im Krisengebiet

18.02.2014 | update 25.03.2016 | in Süd-Korea | von | 1 Kommentar

Die DMZ (Demilitarisierte Zone) teilt die Koreanische Halbinsel in Nord und Süd. Dieses ca. 4 km breite und etwa 250 km lange Grenzgebiet ist ein heißes Pflaster. Mittendrin liegt Panmunjeon, ein kleiner Ort in dem sich beide Parteien direkt gegenüber stehen. Eine organisierte Tour ist die einzige Möglichkeit diese Zone als Zivilist zu betreten und die Geschichte Koreas nach dem Koreakrieg vor Ort hautnah mitzuerleben. 

Waffenstillstand ohne Frieden

Nach dem Koreakrieg (1950-1953) wurde nie ein Friedensvertrag zwischen beiden Ländern unterzeichnet, lediglich ein Waffenstillstand. So kam es hier in der Vergangenheit immer wieder zu tödlichen Zwischenfällen. Der Ort Panmunjeom, auch JSA (Joint Security Area) genannt, liegt mitten in dieser Zone. Es ist eine militärische Siedlung, auf der sich Gebäude beider Parteien befinden. Hier wurde 1953 auch das Waffenstillstandsabkommen unterschrieben.

DMZ-Tour mit der USO

Von Seoul aus kann man als Tourist eine Tour mit der USO (United Service Organizations) in dieses Dorf buchen. Es gibt auch andere Anbieter, aber die DMZ-Touren der USO sind laut verschiedenen Reiseführern die besten. Und auch ich kann diese sehr empfehlen. Näher kommt man als Westler wohl nicht an Nordkorea ran. Zu Beginn der Tour erhält man eine kleine Einführung von einem U.S. Soldat über das, was man machen darf und vor allem über das, was man nicht machen darf. Hier sollte man besser gut aufpassen – man will ja als Besucher nicht der Auslöser für den nächsten Krieg werden. So sind etwa provokative Gesten zu unterlassen. Auch T-Shirts mit Aufdrucken, die provozieren könnten sowie Shorts, Flip-Flops und kurze Röcke sind verboten.

Danach kann man sich eines der blauen UN-Gebäude anschauen, in dem einst der Waffenstillstand verhandelt wurde. Läuft man in diesem bis ans andere Ende, so befindet man sich in Nordkorea. Aber Vorsicht: Einmal versuchten nordkoreanische Soldaten einen Touristen aus dem Haus auf die andere Seite zu ziehen. Das liegt aber schon ein paar Jahrzehnte zurück und konnte von den südkoreanischen Militärpolizisten (die übrigens alle irgendeine Kampfkunst perfekt beherrschen), gerade noch verhindert werden.

Un-Gebäude Panmunjeom

Man wird übrigens auch von der gegenüberliegenden Seite beobachtet. Vor der Tür des nord-koreanischen Gebäudes steht ein Soldat und blickt wirklich die ganze Zeit mit dem Fernglas auf die Besuchergruppe (Genau hinschauen auf den Bildern in diesem Artikel). Hinter den verspiegelten Fenstern befindet sich ein zweiter Soldat und macht Fotos. Das wird einem zumindest erzählt.

The Bridge of no return

Weiter geht es zur Brücke ohne Rückkehr. Hier wurden einst Spione ausgetauscht. Wer die Brücke einmal überquert, kommt nie wieder zurück. Deshalb auch der liebevolle Name. 1976 ereignete sich vor der Brücke der „axe murder incident“. Dabei wurde eine Gruppe amerikanischer Soldaten, die einen Baum in der Nähe fällen wollten, von einer Gruppe nord-koreanischer Soldaten überfallen. Zwei U.S.-Amerikaner kamen dabei ums Leben, erschlagen mit einer Axt.

Bridge of no return

Der höchste Flaggenmast und die schwerste Flagge der Welt

Fast immer von Panmunjeom aus zu sehen, ist die nord-koreanische Flagge in der Geisterstadt Kijong, die an der nördlichen Grenze der DMZ liegt. Das verwundert auch nicht, wenn man weiß, dass der Flaggenmast 160 Meter hoch ist, und damit der größte der Welt. Die Flagge selbst wiegt ganze 300 kg.

Bahnhof ohne Züge

Eine weitere Station der DMZ-Tour ist der wohl am wenigsten genutzte Bahnhof der Welt: Dorasan. Er wurde errichtet als Symbol der Hoffnung auf die Wiedervereinigung von Nord- und Süd. Doch diese Hoffnung ist momentan ziemlich auf Eis gelegt. Einst wurden Südkoreaner von hier aus nach Kaesong transportiert, einem Industrieort in dem Nordkoreaner mit Hilfe von südkoreanischen Managern, auch in Südkorea recht beliebte Produkte, produzieren. Es war das einzige gemeinsamen Projekt zwischen beiden Ländern. Die Betonung liegt dabei auf „war“. Denn Kaesong wurde erst vor Kurzem komplett geschlossen.

Bilder von der DMZ

Am Ende der Tour besucht man noch den „third tunnel of agression“. Von diesen Tunneln gibt es ein paar unterhalb der DMZ. Sie wurden laut dem Tourguide von Nordkoreanern gegraben, damit die Armee einen Überraschungsangriff auf Südkorea starten kann. Es ist schon sehr kurios, aber als die Tunnel entdeckt wurden, behauptete man, es handelt sich um eine Kohlemine.

Das Gute im Schlechten

Keine Frage. Die Trennung Koreas und die Feindschaft zwischen beiden Parteien ist schrecklich. Doch für die Tier- und Pflanzenwelt in der DMZ ist sie ein Segen. Denn dadurch, dass die Menschen hier die letzten 50 Jahre weitgehend fern geblieben sind, konnten sich z.B. der Mandschurenkranich und der weiße Fischreiher sowie viele seltene Pflanzen ausbreiten, trotz der vielen Minen, die überall herumliegen.

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Eine Antwort auf Panmunjeom – Das Friedensdorf im Krisengebiet

  1. […] Einen detaillierten Artikel der DMZ und Panmunjeom gibt es hier:  Panmunjeom – Das Friedensdorf im Krisengebiet. […]

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